"Un petit Ska voyage": Die Ska-Allüren in Thann (04./05.06.2011).
Ein kleiner Reisebericht von Matze W.
 
Bei unserem Gig in Offenburg dieses Jahres lernten wir die lustigen und vor allem netten Ska-Punker der französischen Band Zero Talent kennen. Man verstand sich, man betrank sich (ich weiß gar nicht, ob auch sie tatsächlich betrunken waren, bei uns bin ich mir ziemlich sicher), auf jeden Fall war man sich sympathisch, sodass uns die Buwe - wie wir bei uns sagen, oder auf Französisch Les Buwé - einen Monat später zur ihrer Release-Party in ihr Heimatstädtchen Thann im Elsass einlud. Oh la la!! Natürlich konnten wir dieses im wahrsten Sinne des Wortes grenzüberschreitende Angebot nicht ablehnen: Voilà: Les Allure de Ska être en voyage (frei übersetzt: Die hessische Chaostrubb reist runner bzw nuff nach Fronkreischsch)! Als kleines Goodie kam sogar unsere aktuelle Teilzeit-Ostzonen-Italienerin Henriette samt Begleitung mit, da sie an diesem Wochenende einen kleinen, sagen wir La Familia-Besuch in Darmstadt absolvierte. Die Reisegruppe wie immer im Überblick:
 
"Die Chaostrubb"

v.l.n.r: meine Wenigkeit M. „Atze“ W. an der Gitarre, Matthias „Kääääääse“ Z. am Bass; Nika „Bubblefish“ B. am Keyboard, Chris „les navigateur“ H. an der Schießbude, Simon „110 km/h“ S. am Gesang, Henriette „Bunga Bunga“ L. am Saxophon, Tobi „the Grobi“ W. an der Posaune, Manu „der Haupthaar-Zwirbler“ Betreu.. äh Begleitung Henriette, Maria „Russian Earl Grey“ B., Simon „das schnarchende Nasenhaar“ E. an der Trompete, Johnson „the sleepin‘ Sound Guy“ Z. an diesem Kasten mit vielen Reglern und Knöpfen und und schließlich (leider nicht im Bild) Janine „Sonnen-Schutzfaktor 40“ R. sowie Tati die Hosentaschen-Kalaschnikov NN. als Fahrbeauftragte

Also eine lustige und fast schon familiär-anmutende Reisegruppe. Wir trafen uns alle zu relativ früher Stunde im Karlshof, so dass Aussagen wie „ich bin noch total betrunken“ und „ich brauche ein Konterbier“ sowie das ein oder andere leicht zerknautschte Gesicht nicht ungewöhnlich waren. Besonders unser Sound-Guy Johnson hatte auf einer Gesichts-Zerknutschheitsskala Level 7 von 10 erreicht. Bevor jedoch unsere Reise beginnen konnte, mussten jedoch zunächst die üblichen 9 Level im Personen-und-Equipment-Tetris bewältigt werden. Die besondere Schwierigkeit lag dieses mal darin, dass unser unbestrittener Packmeister Chris – ich würde es ihn zutrauen, eine XXL-Mann-Mobilia-Eichen-Wohnzimmer-Schrankwand-samt-Ottfried-Fischer so in einen Fiat Cinquecento zu verladen, dass noch eine 9-Köpfige Familie samt Hund und Kinderwagen Platz findet – mit unserem Käseliebhaber Zemke in Genf auf einem Festival verweilte und somit fehlte. Es lag also an uns, diese Herausforderung selber zu bewältigen. Und tatsächlich hatte es nach ein bisschen hin und her bestens funktioniert. Equipment im Auto, Personen im Auto: Bon Voyage (macht eusch jetzt fott) !!
 

Die Hinfahrt war eigentlich recht unspektakulär. Man fuhr mehr oder weniger zügig in Richtung Elsass. Es wurde ein wenig geplaudert, wohl das ein oder andere Konterbier getrunken und die Augen für ein Schläfchen geschlossen. Nach der Hälfte der Fahrt traf man sich an einem Rastplatz zur Blasenentleerung, die dieses Mal ausnahmsweise nicht auf mein eigenes verzweifeltes Flehen zurückgeht, sondern vielmehr der ebenfalls geringen Volumenkapazität und der Nervosität von Manu sowie unserem grundlegenden Bedürfnis nach einem Heißgetränk mit Koffeinanteil zu verdanken ist.

 
"Blasenentleerung"
Nachdem wir als erstes den Rastplatz erreichten und uns mit Kaffee, Essen, Nikotin und Toilettenbesuchen eingedeckt hatten, kam einige Minuten später der silberne Blitz samt dem Rest der Truppe an. Es ist immer wieder herrlich zu beobachten, wie die Aufmerksamkeit der Rastplatz¬besucher verwirrt und leicht beunruhigt in unsere Richtung gelenkt wird, wenn unser lieber, ich sage mal individuell gestalteter Tobi das Auto verlässt und samt 2 leerer Paderborner Bierflaschen in der Hand, frohen Gemüts, mit Flipflops an den krummen Füssen, wild gestikulierend und uns beschimpfend („deine Mudda!!“) in unsere Richtung tanzt. So war ein älterer BMW-Fahrer zu beobachten, der uns zunächst nicht aus dem Auge ließ und tatsächlich später den Parkplatz wechselte oder wegfuhr, das war nicht so richtig ersichtlich. Nach einem kleinen Plausch und einem Fehlkauf („Claustaler war das billigste Bier an der Tanke“ – „Ja, weil das alkoholfrei ist!“ – „Ach so“) ging es weiter in Richtung Elsass. Johnson hatte zu diesem Zeitpunkt Level 8 auf der Skala ohne weitere Mühe erreicht. Auch der Rest der Fahrt verlief ohne weitere Vorkommnisse. Erstaunlicherweise waren wir bis zu diesem Zeitpunkt extrem professionell unterwegs. Wir trafen uns relativ pünktlich, wir hatten nichts vergessen, wir lagen im Zeitplan und trafen sogar eine Stunde vor der angestrebten Zeit in Thann ein. Salut (Gudee) !!
 
"Gudeeee"
Nach einem herzlichen Bussi Bussi für die Damen, einem kräftigen Händedruck für die Herren und wahrscheinlich ein paar netter Worte mit den Les Buwè von Zero Talent, die einzig Nika mit ihrem ausgeprägten Französisch-Wortschatz verstand (Tobi zu mir: "Ich komme mal zu dir, du verstehst nämlich auch nichts."), wurde ein kleines Begrüssungsbierchen getrunken und auf den Rest der Truppe gewartet („Schopalont“). Zemke und Chris kamen direkt aus Genf nur einige Minuten später an. Nachdem auch noch Simon gekonnt sein Automobil nach Thann manövrierte, waren wir komplett. Thann ist wirklich ein sehr schönes, fast verträumtes Städtchen mit Blick auf die Vogesen. Cafés und Bäckereien, eine originelle Kirche…ein wirklich hübsches und an diesem Wochenende sonniges Städtchen, wenngleich das ortsansässige Krankenhaus dem äußerlichen Anblick nach den anwesenden Hypochondern ein bisschen den Angstschweiß auf die Stirn trieb („Gehört der Schornstein zu einem Krematorium?“). Egal, bei mir kam auf jeden Fall eine gehörige Portion Urlaubsfeeling auf. Da wir noch bis zum Soundcheck Zeit hatten, ging eine kleine Delegation (die Geschwister B. und Enderson) in den Supermarkt, um ein paar französische Spezialitäten einzukaufen. Da ich sowohl mein Duschgel als auch mein Handtuch vergessen hatte, schloss ich mich ihnen wohlwollend an, in der Hoffnung beides kostengünstig zu erwerben. Während die anderen also Bier (wer hätte es gedacht), Couscous Salat und Russian Earl Grey suchten, war ich also auf der Jagd nach einem gewöhnlichen Handtuch. Obwohl der Supermarkt wirklich vom Katzenfutter bis zur Plastikgabel nahezu alles im Sortiment hatte, fehlte natürlich ein Handtuch. Das Einzige was dem Aussehen und der Funktion eines Handtuches gleich kam, war ein handelsüblicher und vor allem kostengünstiger Putzlappen. Wunderbar dachte ich, saugt ja auch irgendwie Wasser auf, und groß genug war er auch. Das Problem war nur, dass der Lappen unglaublich fusselte und mich mit einem Hauch von Weiß sanft bedeckte. Ein erster Test auf dem Parkplatz ließ daran keinen Zweifel. Aber ich hatte noch Hoffnung.
 
"Thann"
Zurück an der Venue ging es gleich zum Soundcheck. Auch hier lief dieses Mal alles wie am Schnürchen. Wir brauchten nicht die gewöhnlichen drei Stunden und der Sound war auch noch gut. Johnson war wieder auf Level 7! Alles war super! Dann gab es lecker Essen, dazu ein bisschen Wein und nette Plaudereien („Sie geben uns vor dem Gig raue Mengen Alkohol! Fehler Nr.1“). Zwischendurch kamen auch noch unseren weiblichen Begleiterinnen wohlbehalten in Thann an.
 
"En guden!"
Derweil spielte auch die erste Band Headshot, die sich meinem Eindruck nach auf Skate-Punk-Cover spezialisiert hatte. Eigentlich ganz nett anzuhören. Dann waren wir dran. Alles eingestöpselt, eine französische Ansage die ich nicht verstand („er macht sich ein bisschen über uns lustig“) ging es mit dem Intro los. Sound war immer noch gut (seltsam): Publikum war auch da und feierte mit. Yeah! Das tat nach den letzten eher durchwachsenen Gigs richtig gut. Es wurde gesprungen, Pogo getanzt, gesprungen und immer wieder gesprungen. Weitere französische Ansagen von Zemke (ich hatte ja vermutet er bestellt Schnecken in Weinsoße, ein Korb mit Baguette und dazu einen Rotwein, was er jedoch nicht sonderlich lustig fand), weitere Songs in einer unglaublichen Hitze, unsere Klamotten gingen in unseren Körper über, der Putzluppen saugte keinerlei Schweiß auf, sondern sonderte lediglich seine Fusseln ab („Du hast da was im Auge“), es war wunderschön und viel zu schnell vorbei! Merci Thann (Dangeschööön)!!
 
"Groooossartisch Thann Groooooossartisch"
Nach ein paar Minuten Verschnaufpause ging der Hauptteil wieder nach draußen, um gemütlich zusammenzusitzen und den Abend ausklingen zu lassen. Ich verweilte dagegen am Merch-Stand und schaute Zero Talent bei ihrem äußerst gelungenen Gig zu. Leider hatten wir bis zu diesem Zeitpunkt unsere zwei Paletten Bier schon vernichtet, so dass es jeweils vorm Charme des Bandmitglieds abhing, ob wir das Bier an der Theke bezahlten oder uns freiwillig ausgehändigt wurde ;). Die After-Show Party hatte also begonnen. Zwischendrin wurde auch noch ein seltsames Spiel veranstaltet, bei dem sich die Mitspieler auf dem Boden gegenübersitzen und sich irgendetwas (ich glaube Kronkorken) hin un her schnicken. Ich habe es bis heute nicht verstanden, aber es gab wohl einen Gewinner! Also dann Bierchen getrunken, fremde Menschen fotografiert, mitgetanzt, Bierchen getrunken, bis auch Les Buwe von Zero Talent fertig waren und wir uns alle draußen versammelten. Traditionen wurden natürlich beibehalten. Ich versuchte ein Bank, die leider angekettet war, auf dem Kopf und infolgedessen einen Stuhl auf dem Kopf zu balancieren, jedoch ohne großen Erfolg. Kleine Spassprügeleien mit Bandmitgliedern zogen unterdessen die Aufmerksamkeit des örtlichen Security-Personals auf sich. Eingeschritten wurde jedoch nicht. Zemke lenkte gekonnt eine leere Bierdose mit einer Bananenflanke den Geschwistern B an den Kopf und den Rücken. Johnson hatte bereits Level 10, Level 9 ließ er ausnahmsweise aus, und lag mit dem Kopf auf dem Tisch. Komisch diese Pose muss er sich wohl von unserem Zemke abgeschaut haben. Auch Bemerkungen wie „Johnson wir haben hier eine 200Hz Rückkopplung“ oder schlichteres wie „Johnson, da! Möpse!“, ließen ihn nicht aus seinem Dämmerzustand aufschrecken. Dieser Zustand sollte uns noch zum Problem werden.
 
"Aufmerksamkeit bitte auf Johnson vorne links"
Denn um 4 Uhr morgens war das Bier alle und Johnson hatte sich zu diesem Zeitpunkt, samt Autoschlüssel in Zemkes Auto zum schlafen gelegt („weckt mich einfach, wenn ihr das Bier aus dem Kofferraum holen wollt“). Der Zeitpunkt war also gekommen. Versuch 1: Zemke und Tobi gehen zum Auto klopfen, schütteln, klopfen, rufen. Sie kommen zurück „den bekommst du nicht wach“! Versuch 2: Meine Wenigkeit: „Das kann doch nicht sein, ich bekomme ihn wach“. Klopfen, rufen, ich habe versucht ihn mit meinem Handylicht ins Auge zu leuchten, rütteln. Nichts! Johnson immer noch Level 10. Ich laufe zurück „den bekommst du nicht wach“. Versuch 3: Chris „das gibt es doch nicht“. Wir alle vier laufen wieder zum Auto. Das gewohnte Spiel beginnt von vorne: Rütteln, laut rufen, das Auto schütteln, gefühlsmäßig muss Johnson seine Schlafposition durch unsere Wackelei vom Bauch, auf dem Rücken, auf dem Bauch, auf die Seite verändert haben. Aber nichts passiert. Er schläft tief und fest. Doch dann, ein kleines Zucken. „ER HAT SICH BEWEGT!!“ Alle geben noch einmal, rufen, schütteln, rufen, klopfen bis, ja bis der Rollladen eines Hauses in unserer unmittelbaren Umgebung sehr „motiviert“ hochgezogen wurde. Frei übersetzt: „HABT IHR’S BALD! JETZT REICHT’S ABER!! HIER SCHLÄFT EIN BABY“. Das muss für den Nachbarn wirklich sehr nervig gewesen sein, dass im Abstand von 5 Minuten immer ein anderer unverschämter Deutscher vor seinem Haus steht und laut gegen Fensterscheiben klopft und immer wieder das gleich sagt. Wir zogen also ab, auch Angebote wie „du hättest tiefsten Respekt wenn du nackt in den Pool des Hotel du Parc springst“ fanden leider keinen Zuspruch. Nachdem wir unsere Problematik zum Abschluss den Security-Leuten geschildert hatten „our Soundguy he sleeps..“ –„maybe he’s dead“ – „and we…“ – maybe he’s dead“ – „and then..“ – „mybe he’s dead“ bekamen wir dann doch noch ein kleines Bierchen aus dem Geheimvorrat von good ol‘ Fab. Um halb 5 ging es dann ins Bettchen. Ein Teil lag in einem Lagerraum, ein Teil im Auto und Zemke und ich unter einem Baum draußen.
 
"Thann and Darmstadt unite"
Nach einem mehr oder weniger erholsamen Schläfchen ging der erste Weg erst einmal zur Bäckerei, Baguette und Schokoladencroissants kaufen. Nach und nach versammelte sich die Truppe. Es wurde ein bisschen gefrühstückt, das Equipment wieder eingeladen und die Heimreise angetreten. THANN schön war es! MERCI MERCI MERCI!!
 
P.S. Wer ist diese Frau? Hinweise bitte an uns. :)